Wolfgang Fasching steht am 23. Mai 2001 um 13 Uhr am Gipfel des Mount Everest im Himalaya

Das Dach der Welt - 8.484m

Am Dach der Welt!

Mount Everest - 8.848m

Am Ziel meiner Träume: 23. Mai, 13 Uhr. Eigentlich sollte ich gerührt sein. Erich Gatt und ich schütteln einander die Hand. Wir stehen auf 8.848 Meter, am Gipfel des Mount Everest, am höchsten Punkt der Welt, und lächeln. In diesem Moment gibt es niemanden, der auf uns herabschauen könnte. Von Gott abgesehen.

Drei Jahre lang habe ich von diesem Moment geträumt, hatte unzählige Bücher gelesen und mir krampfhaft vorgestellt, wie man sich da oben fühlt. In der Todeszone. Deine Gedanken werden langsam, deine Beine schwer. Aber nichts dergleichen passiert. Die Sauerstoffmaske gibt mir Energie. Ich fühle mich gut. Auch mein Kopf arbeitet einwandfrei: „Wir haben erst Halbzeit, müssen zurück ins Lager zwei, noch kann viel passieren“, sage ich zu Erich.

Die schönere Seite des Mount Everest
Advanced Base Camp auf 8300m
Der Gipfel des Mount Everest auf 8.484m

Ich muss währenddessen an zu Hause denken. Gebetsfahnen wehen im Wind. In den Tälern sitzt der Nebel fest, nur die eisverhangenen Gipfel der umliegenden Sieben- und Achttausender sind auszumachen. Ich fühle mich, als würde ich im Flugzeug sitzen und mit einem Glas Orangensaft in der Hand auf vereiste Berggipfel blicken. Es ist schön hier, aber atemberaubend? NEIN.
Die Erleichterung wird sich vielleicht in ein paar Tagen einstellen. Im Moment überwiegt die Ratio. Ich bin keiner, der seine Freude laut hinausschreit. Ich freue mich still und langsam. Klick. Erich drückt mit dem Zeigefinger auf den Auslöser. Der Nord-Ost-Wind streicht derweil leise über den Gipfel.

"Ihr müsst noch einen Schritt zu uns rüber kommen, dann seid ihr in Nepal. Das ist die schönere Seite", deutet uns ein Sherpa. Die Grenze zwischen Nepal und China verläuft nämlich exakt auf 8.848 m Seehöhe. Erich schaut abermals auf die Uhr – 20 Minuten sind wir schon am Gipfel. Der Wind wird stärker, vom Westen ziehen Schlechtwetterwolken auf. Zeit, abzusteigen.

Raus aus der Komfortzone
Steil nach oben: Fasching beim Aufstieg auf den Mount Everest
Der Gipfel des Berges ist nur der halbe Weg

Statistik - Der Mount Everest in Zahlen

Erstbesteigung:
Sir Edmund Hillary (Neuseeland), Tenzing Norgay (Nepal) am 29. Mai 1953 (Südost-Route von Nepal aus)
 
Erfolgreiche Gipfelversuche: 3.680
 
Erste Frau am Gipfel:

Junko Tabei (Japan) , 16. Mai 1975
 
Erster Gipfelsieg ohne künstlichen Sauerstoff:
Peter Habeler (Österreich) und Reinhold Messner (Italien), 8. Mai 1978, 1980 (ohne künstlichen Sauerstoff)
 
Schnellster Aufstieg:
Sherpa Pemba Dorjee, vom Basislager zum Gipfel in nur 8:10 Stunden
Christian Stangl, vom Basislager zum Gipfel (Nordroute) in 16 Stunden, 42 Minuten (2006)
 
Längster Aufenthalt am Gipfel:
Babu Chiri Sherpa (Nepal), 21 Stunden, 30 Minuten (1999)
 
Jüngster Gipfelsieger:
Temba Tsheri (Nepal),  22. Mai 2001, im Alter von 15 Jahren
 
Ältester Gipfelsieger:
Yuichiro Miura (Japan),  Mai 2003 im Alter von 70 Jahren
 
Todesopfer: 208
 
Größter Ansturm auf den Gipfel:

Am 22.05.2003 standen 155 Menschen am Dach der Welt
 
Österreicher am Gipfel:

  1. Horst Bergmann: 03.05.1978
  2. Wolfgang Nairz: 03.05.1978
  3. Robert Schauer: 03.05.1978 / 23.05.1996 / 17.05.2004
  4. Peter Habeler: 08.05.1978
  5. Oswald Ölz: 11-05.1978
  6. Franz Oppurg: 14.05.1978
  7. Kurt Diemberger: 15.10.1978
  8. Sepp Hinding: 14.05.1995
  9. Heinz Rockenbauer: 26.05.1998
  10. Theo Fritsche: 22.05.2001
  11. Stefan Gatt: 22.05.2001
  12. Erich Gatt: 23.05.2001
  13. Wolfgang Fasching: 23.05.2001
  14. Fritz Klausner: 17.05.2004
  15. Paul Koller: 17.05.2004
  16. Markus Noichl: 17.05.2004
  17. Gerfried Göschl: 01.06.2005
  18. Johann Goger: 02.06.2005
  19. Walter Laserer: 18.05.2006
  20. Gerhard Winkler: 20.05.2006
  21. Christian Stangl: 25.05.2006
  22. Herbert Wolf: 21.05.2007


(Stand: Februar 2008)

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